10 Jahre Swiss Sailing Team Bodensee (SSTB)

Die Jugendförderung des RV6 wurde bis 2005 durch die Vereine durchgeführt. Diese Vereins-Jugendgruppen waren zu klein, um den Jugendlichen ein motivierendes Gruppenerlebnis zu bieten, so wie es in den Mannschaftssportarten der Fall ist. In kleinen Gruppen fehlt den Jugendlichen der Teamgeist, bei Zweimannbooten ist oft die passende Crew nicht vorhanden, und die Leiter trainieren die wenigen Jugendlichen nicht in stufengerechten Gruppen. Dies führte dazu, dass die Jugendgruppen in den Vereinen durch aktive Leiter mühevoll aufgebaut, regelmässig wieder inaktiv wurden.  

Theo Naef und U-P. Rutishauser, Juniorenleiter von Arbon und Kreuzlingen, haben dem Vorstand des RV6 eine Jugendförderung nach dem Konzept SSTB vorgeschlagen, welches dann im November 2005 von der GV des RV6 auch bewilligt wurde. Dieses Konzept beinhaltet:

1. Die Basisausbildung geschieht weiterhin in den Vereinen, wobei der RV6 die beiden Regionaltrainingslager forciert und unterstützt. Die Leiterausbildung soll an zwei Halbtagen erfolgen.

2. Ein Regionalkader soll geschaffen werden, professionell geführt, in den Klassen Optimist, Laser, 420er. Die professionellen Trainer bieten den Kaderseglern pro Bootsklasse mindestens 5 Regattacoachings und angemessene Trainingstage.

3. Finanziert wird diese Jugendausbildung durch den RV6 (CHF 5.- pro Mitglied der Seglervereine des RV6), Swiss Sailing, Sporttoto, J+S, Elternbeiträge. Es wurde der Supporterclub „Welle 6“ aufgebaut, in welchem sich über 80 Supporter mit CHF 200.-/Jahr an unserem Projekt beteiligen. Trotzdem müssen jährlich zusätzlich noch über CHF 40‘000.- bei Sponsoren akquiriert werden, was nicht einfach ist.

Da zu jener Zeit in der Schweiz noch keine Trainerlaufbahn für professionelle Segeltrainer bestand mussten wir unsere Trainersuche ins Ausland verlegen. Mit Werner Schuh, österreichischer Staatsmeister im Laser, fanden wir unseren ersten Trainer. Er hat das Regionalkader mit rund 15 Seglern erstmals geformt. Noch heute segelt ein Grossteil seiner Schützlinge internationale Regatten und prägen die lokale Szene.

Die Idee unseres Regionalkaders hatte schweizweit Vorreiterfunktion und wurde von Swiss Sailing auch mit dem Swiss Sailing Award für beispielhafte Jugendausbildung belohnt. In mehreren Regionalverbänden entstanden ähnliche Projekte, und mit dem im 2007 gegründeten Regionalkader des Zürcher Seglerverbandes haben wir einen starken Partner gefunden. Seit Jahren nun werden die Trainingsgruppen der Laser und der 420er verbandsübergreifend trainiert und gemeinsame Trainingslager an windsicheren Revieren durchgeführt. Im 420er bietet sich wiederum eine erhöhte Chance den optimalen Crewpartner zu finden. Bereits sind zwei Teams unterwegs mit gemischter Crew von Boden- und Zürichsee. Bei den Optimisten führt jeder Regionalverband sein eigenes Regionalteam.

Die Bildung der Regionalteams hat nun auch Swiss Sailing dazu veranlasst, eine eigene Trainerausbildung aufzubauen und die Kaderstrukturen daran anzupassen. Diese Massnahmen sind ein wichtiger Schritt in Richtung Professionalisierung des Trainerwesens. Der Segeltrainer hat heute nun die Möglichkeit, ein Trainerdiplom mit Eidgenössischem Fachausweis zu erwerben, was ihn auf dieselbe Stufe stellt wie Sporttrainer der anderen grossen Sportverbände. Qualitätsbestimmende Kraft hinter diesen Neuerungen ist Swiss Olympic. Passen Trainerausbildung, Trainerstufen und Kaderstrukturen zusammen, dann erhält der Verband mehr finanzielle Unterstützung und die Kadersegler die Swiss Olympic Talent Card, welche ihnen den Dispens von der Schule erleichtert.

So werden denn heute auch die Kadersegler schweizweit nach dem standardisierten Modus „PISTE“ selektioniert. Dabei werden beurteilt: in erster Linie die gesegelten Regattaresultate und die Einschätzung des Trainers, aber auch ein Fragebogen zu persönlichem Umfeld und Motivation, sowie ein spezifischer Sporttest. Das Kontingent Talent Cards, welches Swiss Olympic jährlich an Swiss Sailing vergibt (heute ca 80 Talent Cards), wird gemäss den PISTE Resultaten an die Segler abgegeben. Auch die Selektion in die Regionalkader und die finanzielle Unterstützung der Regionalkader erfolgt gemäss den Resultaten von PISTE.

Auch unser Regionaltrainer Ronald Bundermann hat von dieser Ausbildungsmöglichkeit Gebrauch gemacht und das Diplom als Trainer Leistungssport mit Eidg. Fachausweis erworben. Somit sind alle Anforderungen an unser Regionalkader erfüllt. Diese professionelle Betreuung unserer Jugend spiegelt sich auch wieder in einer deutlichen Steigerung der Regattaresultate:                                                                                                         

  • 2008 Bodenseemeisterschaft Opti A: 1. und 2. Rang (Felix Rüegg, Andrin Theus)

  • 2009 Opti Team-Race SM: 2. Rang (gesamtes Optiteam SSTB)

  • 2010 Schweizermeisterschaft Laser radial:  4. Rang (Sybilla Merian)

  • 2011 Opti Europameisterschaft: 17. Rang (Lea Rüegg)

          470er SM:  2. Rang   (Julian Flessati / Tobias Rüdlinger)

  • 2012 Opti EM: 12. und 14. Rang (Lea Rüegg , Jonathan Rutishauser)

  • 2013 Opti WM: 52. Rang (Fabien Ruf)  

         Opti Team-Race SM: 2. Rang      

  • 2014 420 JEM 54. und 80. Rang (Rüegg/Otth, Rutishauser/Willi)

  • 2015 420 JEM 64. Rang(Rüegg/Ott

Kämpften unsere Optisegler 2008 noch um lokale Titel an der Bodenseemeisterschaft, so selektionierten Lea Rüegg und Jonathan Rutishauser sich 2012 bereits im Zweierticket zur EM mit Resultaten, welche von Bodenseeseglern noch nie erreicht wurden, jedoch im folgenden Jahr durch Fabien Ruf sogar noch überboten wurden, mit einem 52. Rang an der WM. Diesen Schwung nahmen Lea, gemeinsam mit Diana Otth vom Zürcher Kader an der Vorschot, und Jonathan, gemeinsam mit seinem Kaderkollegen Urban Willi, mit in den 420er und erreichten dort sogar international an EM und WM sehr gute Resultate.

Unser Ziel ist natürlich die Kadersegler in das nächsthöhere Leistungskader zu entsenden. In den Nationalen Talent Pool haben es geschafft Lea Rüegg und Luca Schäfer (Opti), sowie Rüegg/Otth und Rutishauser/Willi (420er). Noch eine Stufe höher, im Nationalen Youth Team kämpften Rüegg/Otth (420) und Julian Flessati/Tobias Rüdlinger (470). Zu erwähnen ist auch eine leider aus persönlichen Gründen abgebrochene Olympia Kampanie von Livia Naef im 49er FX.

Diese Segler haben aufgrund ihres Durchhaltewillens und ihres Talents das SSTB über Jahre mit guten Resultaten beliefert, dem Kader ein Gesicht gegeben und dem Trainer ein hohes Mass an Zufriedenheit.

Deutlich ist die Tatsache, dass erfolgreiche Optisegler auch in den nächsthöheren Klassen häufiger erfolgreich sind, Quereinsteiger in höhere Klassen jedoch grössere Mühe bekunden erfolgreich zu werden. Fazit: unser Regionaltrainer muss seine Optifavoriten früh sichten und spätestens im Alter von 10 Jahren ins Regionalkader bringen.

Ebenso deutlich zu erkennen ist, dass von 10 Kaderseglern acht den Sprung in die nächsthöhere Leistungsklasse nicht antreten können oder wollen. Gründe sind Schule, Beruf, andere Interessen, Finanzen etc.. Diese Erfahrung machen nicht nur wir auf der Regionalkaderstufe. Dasselbe berichten auch die Leiter der Basisausbildung in den Vereinen sowie der nationale Jugendtrainer auf Stufe Nationalem Talent Pool / Youth Team. Die Ausbildung dieser Segler ist aber nicht umsonst. Nein im Gegenteil. Erstens haben sie gelernt ein Ziel zu verfolgen, was ihnen im Leben viel helfen wird. Zweitens werden aus diesen ehemaligen Kaderseglern sehr oft gute Jugendtrainer, später vielleicht Wettfahrtleiter und Schiedsrichter, oder aber sie segeln in der lokalen Seglerszene mit kleineren Ambitionen weiter.

 

Kurz zusammengefasst hat das Projekt SSTB folgendes erreicht:

  • Gute Regattaresultate, basierend speziell auf guten Eigenleistungen von Seglern mit Durchhaltewillen.

  • Konstanz an der Basis durch Leiterausbildung und Vorbildfunktion des Regionalkaders.

  • Durch gute Zusammenarbeit mit dem Kader des RV5 schonen wir unsere finanziellen Ressourcen.

  • Die Bildung unseres Kaders hat Swiss Sailing massgeblich dazu bewogen seine Kader und Trainerstrukturen den Vorgaben von Swiss Olympic anzupassen.

  • Unser Trainer hat die höchste Trainerstufe für Segeltrainer.

  • Wir haben Dynamik in den RV6 gebracht, haben unsere Kritiker vom Projekt überzeugt und sind finanziell (noch) am Leben.

 

Zu diesem Erfolg haben viele Leserbeigetragen. Dafür möchten wir Ihnen einen riesigen Dank aussprechen. Ohne Ihre Hilfe wären wir nicht da wo wir jetzt sind ! Und ebenso glücklich wären wir über neue Supporter oder Sponsoren, denn wir sind finanziell sehr gefordert. Supporter unterstützen uns mit CHF 200.- pro Jahr, Sponsoren ab CHF 500.- pro Jahr. Ihre Vorteile erklären wir Ihnen gerne persönlich: kassier@rv6.info oder auch jedes Vorstandmitglied des RV6.

 

  Foto Regionalkader 2007 mit Trainer Werner Schuh:    v.l.n.r: Nico Schilling, Stefan Ammann, Werner Schuh, Martin Reck, René Ott, Johannes Reck, Livia Naef, Denise Wirz, Barbara Mühlemann, Livia Greuter,    Cedric Stäheli, Nadine Stäheli, Nicolas Stadler, Lea Rüegg, Felix Rüegg.

Foto Regionalkader 2007 mit Trainer Werner Schuh:

v.l.n.r: Nico Schilling, Stefan Ammann, Werner Schuh, Martin Reck, René Ott, Johannes Reck, Livia Naef, Denise Wirz, Barbara Mühlemann, Livia Greuter,

Cedric Stäheli, Nadine Stäheli, Nicolas Stadler, Lea Rüegg, Felix Rüegg.

   Foto Regionalkader 2010 mit Trainer Ronald Bundermann:     v.l.n.r.: Julian Flesati, Philip Schläpfer, Ronald Bundermann, Basil Hanhart, Lea Rüegg, Sybilla Merian, Andrin Theus, Urban Willi, Tobi Rüdlinger, Jonathan Rutishauser, Felix Rüegg

Foto Regionalkader 2010 mit Trainer Ronald Bundermann:

v.l.n.r.: Julian Flesati, Philip Schläpfer, Ronald Bundermann, Basil Hanhart, Lea Rüegg, Sybilla Merian, Andrin Theus, Urban Willi, Tobi Rüdlinger, Jonathan Rutishauser, Felix Rüegg