Florian Trüb vom YCRo am Youth America's Cup

Während der Austragung zum 35. America’s Cup in Bermuda wurde auch der Youth America’s Cup ausgetragen. Bei diesem Wettbewerb segelten insgesamt 12 Teams. Die Crewmitglieder dürfen nicht älter als 25 Jahre sein. Die mitsegelnden Teams gehören zu den hoffnungsvollsten Jungtalenten im modernen Segelsport überhaupt. Mit dabei war auch das Schweizer Team Tilt. Mitglied dieses Teams ist auch Florian Trüb vom Yacht Club Romanshorn.

Florian stand Philipp Juchli vom RV6-Vorstand nach dem erfolgreichen Podiumsplatz am Youth America’s Cup Red und Antwort:

RV6: Florian, Du warst mit dem Team Tilt am Youth America’s Cup. Wie kam es dazu? Erzähl‘ uns von Deiner seglerischen Laufbahn.

Florian: Meine seglerische Laufbahn begann im Jahre 2012 mit der Teilnahme an der blu26 Klassenmeisterschaft mit einem zusammengewürfelten Team aus Mitgliedern des YCRo’s. Bald darauf konnte ich in einem fixen Team die ganze Jahresmeisterschaft segeln. Seit 2015 bin ich auf dem Genfersee auf Katamaranen unterwegs und sammelte dort die nötige Erfahrung für den Start mit Team Tilt.

RV6: Der Regionalverband ist erfreut über die Teilnahme eines Bodensee-Seglers am Youth America’s Cup. Wie kam es zum Engagement im Westschweizer Team Tilt?

Florian: Team Tilt setzt sich aus den besten Seglern des Landes zusammen. Deshalb wurde auch in der ganzen Schweiz nach jungen Seglern gesucht. Die Selektionen zogen sich fast ein Jahr hin, bis sich das endgültige Team formierte. Ein langer und anstrengender Prozess.

RV6: Das Team Tilt ist eine der wenigen professionell geführten Segelkampagnen in der Schweiz. Wie äussert sich diese Professionalität im Alltag eines Seglers?

Florian: Unsere Tage sind jeweils sehr genau geplant. Sei dies das Segel- oder auch das Krafttraining. Vor allem kurz vor den Rennen ging es darum nicht unnötig Energie zu verschenken und unsere Batterien bestmöglich aufzuladen. Zum anderen wurde uns viel Arbeit abgenommen. Tanguy Cariou, unser Sportmanager, übernahm jegliche logistische Herausforderung, und Sophia Urban leitete uns durch Interviews und Medienarbeit. Wir konnten uns voll aufs Segeln konzentrieren.

RV6: Am Youth America’s Cup warst Du Trimmer. Welche konkreten Aufgaben hattest Du während den Wettfahrten?

Florian: Auf dem AC45F wurde ich vorzugsweise als Offset-Trimmer und Grinder eingesetzt. Als Offset-Trimmer übernahm ich das Trimmen nach einem Manöver und half beim Gennaker trimmen.

RV6: Welche Aufgaben waren von Dir persönlich ausserhalb des Wettkampfbetriebes zu meistern?

Florian: Jedem von uns wurde auch an Land eine bestimmte Rolle zugeteilt. Mein Job war es, unser Boot vor dem Segeln bestmöglich vorzubereiten und nach dem Segeln auf Defekte und Schäden zu überprüfen und diese zu beheben.

RV6: Der Youth America’s Cup wurde auf AC45, den foilenden America’s Cup-Booten der ersten Stunde, gesegelt. Kannst Du uns einen Eindruck vermitteln, welches Gefühl das Foilen auslöst? Was sind die Schwierigkeiten und Gefahren des Foilens auf den AC45?

Florian: Das Foilen ist vor allem zu Beginn ein unbeschreibliches Gefühl. Wenn sich das Boot aus dem Wasser hebt, erhöht sich die Geschwindigkeit sprunghaft und die Beschleunigung ist regelrecht zu spüren. Klar, mit erhöhter Geschwindigkeit erhöht sich immer auch das Verletzungs- und Unfallrisiko. Entscheidungen werden in einem Bruchteil einer Sekunde gefällt. Vertrauen zum Steuermann und zu deinen Mitseglern ist sicherlich die beste Versicherung. Wir schützen uns jedoch auch mit Protektoren und Helm.

RV6: Leider war die Foiling-Zeit während den Wettfahrten des Youth America’s Cup begrenzt. Trotzdem bot die Flotte spannendes Fleetracing. Wie hast Du die Wettfahrten erlebt?

Florian: Durch den wenigen Wind wurden die Rennen noch viel enger als sie durch die guten Teams sowieso schon waren. Mehrmals sah man Teams, die sich vom letzten Platz weit nach vorne arbeiteten. Es brachte einem manchmal fast zur Verzweiflung, wenn man sah, wie ein anderes Boot mit neuem Wind an einem vorbeizog.

RV6: Der Einstieg in die Serie glückte Euch nicht wunschgemäss. Als Mitfavoriten auf den Sieg musste zunächst um die Finalqualifikation gezittert werden. Wie schafftet ihr die Steigerung, um im Finale schliesslich auf dem Podium zu landen?

Florian: Wichtig war jeweils, den Kopf nicht hängen zu lassen. Die mentale Stärke in unserem Team war enorm. Wir konnten uns auf unsere Grundfähigkeiten auf Katamaranen verlassen und uns immer mehr mit dem engen Format anfreunden.

RV6: Den sehr guten dritten Schlussrang erreichtet ihr nicht dank einzelnen Spitzenplätzen, sondern dank einer konstanten Leistung über die ganze Serie hinweg. Wie schafft man eine derartige Konstanz?

Florian: Eine solche Regatta gewinnt man nicht mit einzelnen Rennsiegen, jedoch verliert man sie ganz schnell mit einem schlechten Rennen. Sich mit einem 3. Platz während dem Rennen zufrieden zu geben und diesen zu verteidigen gelang uns zum Schluss immer besser.

RV6: Die Fernsehübertragungen boten interessante Einblicke in die Kommunikation innerhalb eines Spitzenteams. Welche Personen (mit welcher Funktion) waren jeweils bei den Livebildern zu hören? Was ist der Inhalt der Informationen unter den Teammitgliedern während den Wettfahrten?

Florian: Zu hören waren jeweils Skipper und Wing-Trimmer. Gesprochen wird vor allem in den leichten Bedingungen über den Wind. Dreher und Windstärke waren das Thema Nummer 1 an Bord. Weiter wird über die Positionierung im Feld und Konkurrenten auf Kollisionskurs gesprochen.

RV6: Welche Erkenntnisse nimmst Du aus der Teilnahme am Youth America’s Cup mit?

Florian: Im letzten Rennen lag für uns alles zwischen 2. und 4. Platz drin. Zu Beginn sassen wir im virtuellen Ranking auf der Schokoladen-Medaille fest. Wir kämpften um jeden Meter und mit etwas Glück konnten wir uns dann auch den 3. Platz sichern. Wir gaben nie auf, das war unsere Stärke.

RV6: Was sind Deine seglerischen Zukunftspläne mit dem Team Tilt oder als Einzelathlet?

Florian: Mit dem Ende des RedBull Youth America’s Cup endet leider auch die Zeit mit Team Tilt. Sébastien Schneiter, unser Skipper, startet seine Jagd auf eine olympische Medaille in Tokyo 2020. Wie es mit meiner Karriere weitergeht, steht noch offen.

RV6: Wie siehst Du Deine Chancen, einmal beim America’s Cup teilnehmen zu können?

Florian: Bestimmt konnten wir in den letzten Monaten sehr viel Lernen für weitere Engagements, doch steht auf dem Weg in ein America’s Cup Team noch vieles bevor. Ein Traum ist es aber bestimmt für jeden von

RV6: Welche Message willst Du jungen Seglern auf den Weg geben, die es beim Segeln in die Weltspitze schaffen wollen?

Florian: Auf dem Wasser immer die Freude am Segeln behalten. Wenn uns nach langen Tagen Manövertraining diese Freude ein bisschen abhanden kam, legten wir immer mal wieder eine Session Höchstgeschwindigkeitssegeln ein. Auf Halbwind Vollgas geben macht immer Spass ;)

 

Der Regionalverband dankt Dir für die Zeit, die Du Dir für dieses Interview genommen hast und gratuliert Dir und dem Team Tilt für die Bronzemedaille am Youth America’s Cup.