Regelauffrischungskurs mit reger Beteiligung

Wie alle vier Jahre sind die Wettsegelbestimmungen auf diese Saison hin überarbeitet worden. Zu diesem Anlass hat der Regionalverband Regel-Auffrischungskurse organisiert und mit Mufti Kling einen kompetenten und erfahrenen Referenten gewinnen können. Der erste Auffrischungskurs fand am 24. März 2017 im Clubhaus des Yachtclubs Arbon statt. Vor allem Regattasegler und Offizielle nutzten die Gelegenheit, sich über die Neuerungen im Regelwerk informieren zu lassen und sich mit dem erfahrenen, regelkundigen Referenten auszutauschen.

Zunächst wurden begriffliche Änderungen vorgestellt. In Anlehnung an die englischen Ausdrücke heisst die Wettfahrtleitung neu Wettfahrtkomitee und das Schiedsgericht neu Protestkomitee. Statt von „Wind von Backbord“ wird nunmehr von Backbordschlag gesprochen. Der Begriff der Partei einer Protestanhörung wurde um das Technische Komitee erweitert, so dass dieses insbesondere bei Verstössen gegen die Klassenregeln oder auch bei einer Überschreitung der Segelfläche, welche der Berechnung der Yardstick-Zahl zugrundeliegt, gegen den fehlbaren Segler protestieren können.

Als revolutionär bezeichnet Mufti Kling die neu geschaffene Möglichkeit, einen Segler für ein Vergehen zu bestrafen, das nicht er selber, sondern bspw. sein Coach zu verantworten hat (etwa wenn das Coach-Boot regelwidrig mit seinem Schützling "mitfährt"). Da es sich bei dieser Sanktionsmöglichkeit um eine Kann-Vorschrift handelt, plädierte der Referent für eine zurückhaltende Anwendung dieser neuen Bestimmung.

Bei Verstössen gegen die Grundsätze des fairen Segelns (Regel 2) wird dem Protestkomitee ein grösserer Ermessensspielraum eingeräumt. Vor dem Hintergrund, dass die Schwere eines Regel 2-Verstosses unterschiedlich sein kann, muss die Strafe für deren Verletzung neu nicht zwingend ein DNE (eine nicht streichbare Disqualifikation) sein; namentlich ist neuerdings eine einfache (streichbare) Disqualifikation möglich.

Teil 2 der Wettsegelbestimmungen, die eigentlichen Vorfahrtsregeln, erfuhren keine grundlegenden Änderungen. Während bisher Boote ausserhalb einer Wettfahrt nicht wegen Verletzung der Vorfahrtsregeln sanktioniert werden konnte, kann neuerdings eine Verletzung von Regel 14 (Pflicht zur Vermeidung einer Berührung) auch ausserhalb einer laufenden Wettfahrt geahndet werden, sofern sämtliche Elemente dieser Bestimmung erfüllt sind (insbesondere muss die Vermeidung der Berührung vernünftigerweise möglich sein) und der Vorfall zu Verletzung oder ernsthaftem Schaden geführt hat. Bedeutung hat diese Neuerung vor allem bei Booten, welche zwischen zwei Wettfahrten im Startgebiet aufeinandertreffen.

Eher marginale Änderungen erfuhr die ohnehin schon komplizierte Regelung des Bahnmarkenraums (Regel 18). Teilweise neu ist der Wortlaut von Regel 18.2(d), wonach das Recht auf Bahnmarkenraum endet, wenn das Boot mit Anrecht auf Bahnmarkenraum dieser Bahnmarkenraum gewährt wurde. Gemäss den Ausführungen von Mufti Kling sei die Bewandtnis dieser Neuerung insbesondere dann unklar, wenn das zuvor achterliegende Boot innen überlappt. Namentlich bei Gennaker-Kursen könne es zu Unsicherheiten kommen. Zu dieser Änderung wird von World Sailing ein Case erwartet, der Klarheit schaffen soll. Angepasst wurde auch Regel 18.3, welche das Wenden in der Zone zum Gegenstand hat. Insbesondere gilt diese Bestimmung nicht mehr zwischen zwei Booten mit Wind von Backbord, die in der Zone wenden. Mittels Skizzen wurden den Veranstaltungsteilnehmern die Spitzfindigkeiten dieser Neuerung veranschaulicht.

Eine Anpassung erhielt auch die Bestimmung über das Verhalten an einem Hindernis (Regel 19). Im neuen Regelwerk wurde klargestellt, dass diese Vorschrift nicht zum Tragen kommt, wenn Regel 18 zwischen den Booten gilt.

In die Wettsegelbestimmungen eingeführt wurde das Starten unter der Flagge „U“. Bisher wurde diese Startregelung teilweise in Segelanweisungen für anwendbar erklärt. Nunmehr gilt sie allgemein (sofern das Wettfahrtkomitee die entsprechende Flagge zeigt). Das Starten unter „U“ ist quasi ein „Black Flag light“: Ein Frühstart wirkt grundsätzlich zwar wie eine Black Flag Disqualifikation (BFD); allerdings darf ein zu früh gestartetes Boot nach einem allgemeinen Rückruf oder nach Abbruch der Wettfahrt wieder starten (UFD), was unter Black Flag nicht zulässig ist (und zu einer nicht streichbaren Disqualifikation führt). Für Wettfahrtkomitees hat dies den Vorteil, dass eine Anzeige der BFD-Starter nicht notwendig ist, so dass gegebenenfalls schneller wieder gestartet werden kann.

Mufti Kling bot den Teilnehmern einen spannenden, aber auch anspruchsvollen Kursabend. Jedenfalls hat sich gezeigt, dass es sich für Regatteure und Offizielle immer wieder lohnt, sich mit den Regeln auseinanderzusetzen, umso mehr, als diese auf diese Saison hin überarbeitet wurden. Derselbe Regel-Auffrischungskurs findet am Freitag, 7. April 2017, im Hafengebäude der Seglervereinigung Bottighofen statt. Es hat noch einige wenige Plätze frei. Die Anmeldung erfolgt über die Webseite des Regionalverbandes (www.rv6.info/kursprogramm) oder per E-Mail an den Ausbildungsverantwortlichen, Jürg Schenkel (ausbildung@rv6.info).